„Die Nation gibt Befehle und empfängt keine..“ – Französische Revolution

Der Marquis de Mirabeau soll diesen Satz den Soldaten des Königs entgegengeschleudert haben als diese versuchten, die erste Nationalversammlung aufzulösen. Erstmals seit 1615 wurden in Frankreich durch Ludwig der XVI. am 01. Mai 1789 die Generalstände nach Versailles berufen. Der König brauchte Hilfe aus Adel, Klerus und gemeinem Volk. Der Staatsbankrott war zu befürchten. Gleichwohl konnten sich die Stände nicht einigen und so rief der Dritte Stand, der immerhin mehr als 95 % der Bevölkerung repräsentierte, sich zur Nationalversammlung aus. Mit dem Ballhausschwur (dieser wurde im Ballsaal von Versailles gegeben) verplichteten sich die Deputierten am 17. Juni 1789 solange gemeinsam zu tagen bis eine Verfassung Frankreichs verabschiedet sei. Ein hehres Anliegen! Aber, bereits am 26. August 1789 konnte eine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte verabschiedet werden. Zuvor waren alle Privilegien des Adels und des Klerus abgeschafft worden. In der berühmten „Opfernacht der Privilegierten“ verzichteten jene feierlich auf die alten, überkommenen Vorrechte.

Ein erster, wichtiger Schritt zur Neuordnung war getan. Fragt man nach den Ursachen der französichen Revolution dann begegnen auf der Zeitleiste hin zu eben jener Revolution aber gleich mehrere Auslöser. Am augenfälligsten ist sicher der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789. Damit wird auch unmittelbar die erste Phase und der „formale“ Beginn der französischen Revolution eingeläutet. Für die Zeitleiste der Revolution ist aber nicht nur dieses Datum von markanter Bedeutung. Neben den kurzfristigen gilt es auch die langfristigen Ursachen der französischen Revolution im Blick zu behalten.

Wichtige Auslöser der französischen Revolution waren nicht zuletzt die Erhöhung der Brotpreise (kurzfristig) sowie die andauernden Kriegslasten und die damit verbundenen harten Einschnitte gerade beim Dritten Stand (langfristig). Es ist eine Ironie der Geschichte: Die Lasten durch die Unterstützung der amerikanischen Freiheitskriege brachten letztendlich auch das französische absolutistische System zum Einsturz. Neben den Errungenschaften der französischen Revolution gerade in Fragen der Menschenrechte und der Gesetzgebung gehört aber auch zu den Folgen dieser Revolution eine Umwälzung in Kontinentaleuropa die ihresgleichen sucht.

Wenn man eine Ursache der französischen Revolution hervorheben möchte, dann ist es sicher die mangelnde Reformbereitschaft des Königs. Man darf es ruhig auch Reformblockade durch den König nennen. Selbst Adel und Klerus hatten – wenn auch aus eigenem Machterhaltungstrieb – erkannt, dass im Zuge einer veränderten Wirtschaftslage (kein Aufschwung, zunehmende Urbanisierung auch wegen Missernten, neue technische Errungenschaften etc.) Veränderungen, bessere Mitsprache und steuerliche Erleichterungen notwendig sind. In den Städten entstand auch ein gebildetes Bürgertum, welches sich gerade in den Kommunikationsmöglichkeiten jener Tage (erste Zeitungen, Klubs, Salons, Lesegesellschaften, Cafés) inhaltlich und nicht nur aus purer Überlebensangst gegen das bisherige Staatswesen wendete. So konnte ein völlig neues Weltbild mit der französischen Revolution Eingang in die überkommenen Strukturen Europas finden. Nicht zuletzt aus Angst vor eigenem Machtverlust haben daher die Mächte Preußen und Österreich gemeinsam Frankreich in dieser Zeit militärisch bekämpft. In der französische Revolutionsarmee konnte sich dabei ein kleiner, unbedeutender korsischer Offizier hervortun: Napoleon.

Seine Stunde schlägt nach den drei Phasen der französischen Revolution. Zunächst kämpfte man – meist nur verbal – um bürgerliche Freiheitsrechte und schaffte eine konstitutionelle Monarchie (1789 – 1791). Die zweite Phase ist vielleicht die dunkelste Zeit der franzöischen Revolution. Es ist das Zeitalters des Terrors und der gegenseitigen Vernichtung. Robespierre „herrscht“ mit Gewalt und viele Wegbegleiter finden sich auf dem Schafott wieder – am Ende er sich selbst auch. In der dritten Phase der Revolution (1795 – 1799) versucht ein aus fünf Personen bestehendes Direktorium den Ausgleich zwischen Bürgertum und verbliebenen Adel zu erreichen. Sie mussten scheitern. In einem Zeitalter politischer Schwäche bei gleichzeitiger militärischer Stärke war es daher nur eine Frage der Zeit, bis die Militärs die Macht in Person Napoleons übernahmen. Die Ziele der französischen Revolution Liberté, Égalité, Fraternité haben so gerade in der allgemeinen Gesetzgebung in großen Teilen Europas Gültigkeit erhalten.
Die franzöische Revolution ist auch die Geschichte der unterschiedlichen Personen und Klubs (Jakobiner, Coredliers, Feuillants etc.). Sie alle waren von einer neuen Demokratie beseelt. Aber, auf dem Weg dorthin von unterschiedlichen Vorstellungen und Interessen. Auch Angst und Mißtrauen waren ihre ständigen Begleiter. Das Blut vieler Unschuldiger gehört zum Verlauf der französischen Revolution genauso wie viele heute noch gültigen Errungenschaften. Revolutionen, dies erkennt man an der Franzöischen, verlaufen nicht gradlinig. Viele Irrungen und Wirrungen, auch manche aus heutiger Sicht humorvolle Entwicklung (man gab den Monaten und Tagen neue Namen, die Monate bestanden aus drei Wochen á 10 Tagen), kennzeichneten den Weg. Oft wurde das Absolute mit nahezu diktatorischem Handeln bekämpft und umgekehrt.

Wie so oft in der Geschichte fanden sich Revoltionäre der ersten Stunde schon bald unter dem Fallbeil wieder. Gerade weil sie auch übersahen, dass Revoltionen immer auch eine Zeit der Gesetzlosigkeit und Willkür sind. Aber, am Ende bleibt: „Die Nation gibt Befehle und empfängt keine…!“ Kürzer und besser kann man demokratisches Verständnis in einem absolutistischen System nicht zum Ausdruck bringen.

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