Revolution in Ägypten auf Abwegen?

Am Sonntag kam es zu schlimmen Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Bilanz: 26 Tote – davon drei Soladaten und ein Polizist. 22 Christen starben bei den schlimmsten Ausschreitungen seit dem Sturz des Mubarak-Regimes in Ägypten. Dem gewalttätigem Zusammenstoß ging eine friedliche Demonstration koptischer Christen voraus. Wenige Tage zuvor war in der Provinz Assuan eine koptische Kirche von Muslimen niedergebrannt worden.

Ägyptisches Militär verhaftet Christen

Die Militärs in Ägypten nahmen am Montagabend 19 Christen und zwei Muslime in Untersuchungshaft und warfen ihnen Zerstörung öffentlichen Eigentums und Angriffe auf das ägyptische Militär vor. In der gleichen Nacht trugen die koptischen Christen ihre Opfer der Ausschreitungen auf dem Tahrier-Platz zu Grabe. Mehr als 20.000 Teilnehmer wurden bei dem Tarauerzug von der Ramses-Straße zur großen koptischen Kathedrale im Stadtteil Abbasija gezählt.

Kopten kritisieren ägyptische Militärregierung

Die Kopten suchen die Schuld für die Zusammenstöße und die Toten beim ägyptischen Militär. Das gewalttätige Vorgehen der Soldaten wird angeprangert. Offenbar nehmen die ägyptischen Streitkräfte den Streit zwischen Kopten und Christen zum willkommenen Anlass um ihre Macht zu festigen.

Christliche Minderheit in Ägypten

Die koptischen Christen stellen in Ägypten eine Minderheit dar. Die koptische Kirche, eine altorientalische chritliche Glaubensgemeinschaft, ist seit nahezu 2000 Jahren in Ägypten fest verwurzelt. Heute stellen die Kopten zwischen fünf und zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung. Das Oberhaupt der Kopten, Papst von Alexandria und Patriarch von ganz Afrika Shenouda III., residiert sowohl in Kairo als auch in Alexandria. Die Markus-Kathedrale in Kairo ist das Zentrum der koptischen Christenheit.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Differenzen zwischen den Kopten und fanatischen Muslimen. Es ist nicht auszuschließen, dass das ägyptische Militär diese Differenzen schürt. Vor dem Hintergrund erneuter innerer, angeblich religiös motivierter Unruhen, könnte so der Demokratisierungsprozess in Ägypten verlangsamt, wenn nicht sogar gestoppt werden.

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