Libyen aktuell – Gaddafi ist erledigt

Über Frankreich, NATO, Zivilbevölkerung und eine neue Einflußnahme
Jetzt ist es so weit. Die Aufständischen Rebellentruppen haben in Libyen die Hauptstadt Tripolis eingenommen. Dabei wurden die drei Söhne von Gaddafi festgenommen, allein der Diktator ist verschwunden. Aktuell weiß Niemand genau, wo dieser sich aufhält. Es wird vermutet, dass er sich in seiner inzwischen vollkommen zerbombten und zerschossenen Residenz aufhält. Wahrscheinlich in einer unterirdischen Bunkeranlage. Es gibt aber auch Gerüchte, dass er sich ins Ausland abgesetzt hat. Im Moment gibt es heftige Gefechte um die Residenz von Gaddafi. Beteiligt sind regimetreue Truppen, Aufständische verschiedener Couleur und die Nato, die immer wieder mit heftigen Bombenangriffen mitspielt.

Was sich jetzt als Tatsache zu manifestieren beginnt, hat sich eigentlich schon vor Monaten abgezeichnet. Denn Gaddafi hatte es nicht nur mit Aufständischen, sondern zusätzlich erst noch mit Frankreich und dann mit der gesamten NATO zu tun. Er konnte nur verlieren.
Die Aufständischen waren auch sein kleinstes Problem. In Relation zur Gesamtbevölkerung des Landes, waren sie nicht mehr als eine Hand voll Protestanten, die sich hauptsächlich auf den Raum Benghasi konzentrierten. Mit diesen wäre Gaddafi spielend fertig geworden, zumal er große Teile des libyschen Volkes noch immer hinter sich hatte.

Kampfhandlungen von Frankreich und der NATO gegen Libyen
Problematisch wurde es erst, als Frankreich urplötzlich Kampfflugzeuge nach Libyen entsandte. Ohne NATO-Mandat oder eine andere völkerrechtliche Legitimation. Erst später stieg die NATO verstärkt ins Kampfgeschehen ein. Frankreich schlug auch mit einer extremen Heftigkeit zu und war auch durch diplomatische Interventionen anderer Länder nicht zu stoppen. So erscheint das Nein von Guido Westerwelle hierzu in einem anderen Licht.

Nun fragt man sich, was den Ausschlag zu dem französischem Alleingang gegeben haben könnte… In einem Interview mit einem Fernsehsender, sagte einer der Söhne der Gaddafis, dass man dem französischen Präsidenten praktisch ins Amt geholfen habe. Und dass dieser aufpassen müsse, was er sage, denn die Gaddafis besäßen Informationen, die Nicolas Sarkozy schnell auch wieder aus dem Amt befördern würden. Die Antwort war der bekannte und wütende Militärschlag im Alleingang gegen Libyen.

Nach und nach stieg auch die NATO in diesen Angriffskrieg ein. Angeblich zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung… Doch tatsächlich spielten sich die Kampfhandlungen zu diesem Zeitpunkt nur im Raum Benghasi ab und die Aufständischen bemühten sich Polizeistationen und Militärarsenale zu überfallen, um Waffen in die Hand zu bekommen. Jeder souveräne Staat der Welt, hätte so etwas verhindert und selbst verhindern können.

Mit Hilfe der Nato gelang es in schweren Kämpfen verschiedene Krisenherde im Land zu entzünden, um dann nach umfangreichen Medienkampagnen zum Sturm auf Tripolis zu blasen. Allein hätten die Rebellen dies nie geschafft, zumal Gaddafi noch immer große Unterstützung in weiten Teilen der Bevölkerung hatte und hat.

Die Revolution in Libyen und die Zivilbevölkerung
Der Kampf zum Schutz der Zivilbevölkerung hatte sich inzwischen zu einem Kampf gegen die Zivilbevölkerung gewandelt, zumindest wenn man die Zahl der Opfer sieht. Inzwischen gibt es weit mehr zivile Opfer als militärische wie in vielen Kriegen historisch betrachtet. Da stellt sich einem die Frage, warum man damals in Srebrenica oder an ähnlichen Standorten nicht genau so gehandelt hat.

Im Falle von Srebrenica kreisten tagelang Kampfflugzeuge über der Region und hätten das damalige Massaker spielend verhindern können. Leider erhielten diese keinen Einsatzbefehl. Viele tausend Menschen starben damals und sind teilweise auf extrem grausame Weise ums Leben gekommen. Sooo wichtig scheint der Schutz der Zivilbevölkerung also nicht gewesen zu sein und ist es auch heute nicht.

Es sieht also so aus, als hätte hier kein Kampf gegen ein unmenschliches Regime statgefunden, sondern als sollte einer der letzten großen Herrscher gestürzt werden. Dies würde auch Sinn machen, wenn man die Bemühungen der EU und anderer Organisationen in Richtung einer zentralen Regierung für alle Staaten beobachtet. Alleinherrscher stören da gewaltig… Und wenn man ganz genau hinschaut, passierte dies in einigen Fällen bei der arabischen Revolution, zum Beispiel in Syrien.

Wenn man die EU, die afrikanische und arabische Liga, die nordamerikanische NAFTA mal genauer ansieht, geht alles immer mehr in Richtung einer Zentralisierung der Macht. Diese Vereinigungen erklären auch ausdrücklich, dass dies ihr erklärtes Ziel ist. Solche Berichte laufen im Fernsehen aber leider viel zu selten und wenn, dann mitten in der Nacht. Auch ist wie auf lorg.org zu lesen eine gezielte Veränderung für mehr Einflußnahme der NATO-Staaten nicht auszuschließen.

Gaddafis Schicksal ist definitiv besiegelt und er wird auch schon als „Mann von gestern“ bezeichnet. Er wird in den nächsten Tagen gefangen und dann entweder vor irgendein internationales Gericht gestellt oder bei seiner Festnahme getötet werden. Man wird ihn im ersten Fall vorführen und irgendeinen Schauprozess veranstalten, der aller Welt beweist, wie richtig das Eingreifen in die Souveränität eines Staates gewesen sei. So hat man es bisher immer gemacht und wird es auch wieder tun. An dieser Stelle sei an Saddam Hussein mit seinen angeblichen Massenvernichtungswaffen und andere Konsorten erinnert.

Doch auch europäische Despoten leben gefährlich. Es ist durchaus möglich, dass Leute wie Sylvio Berlusconi und seinem Medienkonzern ein ähnliches Schicksal erwartet. Natürlich wird man keinen Krieg führen, doch in solchen Fällen reicht die übliche Vergewaltigung einer Minderjährigen, die der langen Karriere ein Ende macht. Auch ein stets bewährtes Mittel….

Bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in Libyen weiter entwickelt. Wahrscheinlich wird man versuchen, eine „Demokratie“ nach westlichem Muster zu etablieren, was aber an den kulturellen und religiösen Gegebenheiten scheitern wird. Die neue Regierung wird wahrscheinlich schön das Lied der EU pfeifen und ihr Fähnchen in die richtige Richtung hängen. Und man ist den Bestrebungen nach einer absolut zentralen Regierung wieder ein Stück näher gekommen.

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