Auslöser und Ursachen der tunesischen Revolution
Auf den ersten Blick betrachtet, begann die Revolution in Tunesien mit der Selbstverbrennung eines jungen Mannes aus Protest. Doch tatsächlich war die Geschichte des Mannes exemplarisch für die gesamte Situation in Tunesien. Er fand trotz Universitätsabschluss keine Arbeit, dabei war er der alleinige Ernährer einer großen Familie.
Wie ihm ergeht es hunderttausenden von Tunesiern. Die meisten sehr gut ausgebildet. Es herrscht eine Stimmung von totaler Perspektivlosigkeit und Unmut.
Die Opposition wird unterdrückt, an fairen Wahlkämpfen gehindert und Journalisten, die zu offensiv berichten, landen im Gefängnis. Ebenso existiert die Meinungs- und Versammlungsfreiheit bestenfalls auf dem Papier. Zusammen mit einer Arbeitslosenquote von 30 Prozent eine explosive Mischung. Eine junge Frau drückt es so aus: „Wir sind eigentlich mit allem unzufrieden…“
Dem seit 1987 an der Macht stehendem Präsidentenclan wird massive persönliche Bereicherung und Vorteilsnahme von weiten Kreisen der Bevölkerung vorgeworfen.
Nach dem Tod des jungen Mannes und einer weiteren Person, entbrannten im ganzen Land Proteste. Autos brannten, Polizeiwachen wurden angegriffen und die Polizei ging mit großer Härte gegen die Demonstranten vor. Es wurde scharf und mit Gummigeschossen auf Demonstranten geschossen. Selbst Rettungskräfte und Krankenhäuser wurden angegriffen. Es gab mehrere Tote und viele Verletzte auf beiden Seiten.
Ein Überblick über den Verlauf der Revolution in Tunesien
Nach der Selbstverbrennung des Mannes brachen zuerst im Süden des Landes Unruhen aus. Die Proteste breiteten sich aber schnell Richtung Hauptstadt und die umliegenden Gebiete aus.
Am Anfang war das Militär noch nicht beteiligt oder hielt sich sehr zurück. Allerdings kam es in Tunis zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.
Was anfangs ein kurzes Aufbäumen war, erfasste nun weite Teile des Landes. In der Hauptstadt Tunis wurde eine Ausgangssperre ab 20.00 Uhr verhängt. Auf den Straßen fuhr das Militär mit gepanzerten Fahrzeugen, Lastwagen und Jeeps auf und zeigte so bedrohliche Präsenz. Doch auch davon ließen sich die Aufständischen nicht abschrecken und protestierten weiter. Es gab viele Tote und Verletzte auf beiden Seiten.
Von internationaler Seite hat das Regime in Tunesien nicht viel zu befürchten, da die internationale Staatengemeinschaft schon froh ist, dass keine islamistischen Kräfte beteiligt sind. Catherine Ashton von der Europäischen Union kritisierte zwar die übertriebene Gewalt, aber das war auch alles, was in dieser Richtung erfolgte.
Dabei kam der Aufstand zu einem denkbar ungünstigem Zeitpunkt für Tunesien. Die Regierung ist schon seit Jahren bemüht ausländische Investoren ins Land zu bekommen, um so die Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt lösen zu können. Diese kommen aber nur in ein politisch stabiles Land. Anders hätten sie keine Garantien für ihre Investitionen. Doch vielleicht gelingt es ja den Aufständischen, ein Regierungssystem zu etablieren, das für Investoren noch anziehender ist und mit dem die EU noch enger zusammenarbeiten kann. Vielleicht war der Zeitpunkt also doch nicht so schlecht gewählt.
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