Erneute Zusammenstöße in Ägypten kurz vor dem Ende noch
Dennoch kam es am Nachmittag zu heftigen Zusammenstößen von Anhängern des Präsidenten und der Opposition. Die Bilder, die davon im Fernsehen gezeigt wurden, erinnerten stark an einen Bürgerkrieg. Bewaffnete Reiterhorden auf Pferden und Kamelen griffen die Demonstranten mit Knüppeln, Steinen, Säbeln und Schusswaffen an.
Zeitgleich wurden von Dächern Steine und Ziegel auf Menschen geworfen. An diesem Tag starben 13 Menschen und mehr als 1.500 wurden verletzt. Merkwürdigerweise hatte das Militär ausgerechnet an diesem Tag erstmals keine Personenkontrollen durchgeführt. Entgegen eigener Aussagen soll sich das Militär absolut passiv verhalten haben.
Der Führer der Opposition Baradei forderte das Militär zum Handeln auf. Besonders brisant an der Situation ist, dass es ernst zu nehmende Gerüchte gab, dass die Angreifer teils bezahlt worden seien. In Zusammenhang mit dem vom Militär gezeigtem Verhalten lässt sich schließen, dass die Äußerungen der Offiziere nur wenig Glauben geschenkt werden konnte und dass sich die Armee tatsächlich noch immer auf Seiten Mubaraks befand.
Auch der nächste Tag brachte wieder neue Ausschreitungen mit sich. Rund um den Tahir-Platz wurden Barrikaden errichtet, um ein erneutes Angreifen der Reitermilizen zu verhindern. Trotzdem explodierten Mollotow-Cocktails und es wurde auch scharf geschossen.
Demonstranten berichteten, dass Scharfschützen Mubaraks von den Dächern aus Demonstranten unter Feuer nahmen. Auf dem Tahir-Pkatz soll ein Ausländer von Mubarak-Anhängern zu Tode geprügelt worden sein. Trotz der Zugeständnisse bei der Wiederbereitstellung des Internets, hatte das Regime kein großes Interesse an einer offenen Berichterstattung. Medienvertreter wurden in ihren Hotels überfallen und zusammengeschlagen und als Ausländer mit einer professionellen Kamera um den Hals, durfte man sich nicht auf der Straße zeigen. Es war lebensgefährlich.
Der Regierungsvize Omar Suleiman gab im Staatsfernsehen bekannt, dass Gespräche mit der Opposition geführt werden, wenn die Proteste beendet werden. Diese lehnte dies jedoch ab und gab bekannt, dass Gespräche erst nach einem Rücktritt Mubaraks in Frage kämen. Der Generalsekretär der arabischen Liga Amr Mussa kündigte an, dass er für das Amt eines Präsidenten zur Verfügung stehen werde. Er werde auch eine Rolle in einer Übergangsregierung einnehmen, wenn dies gewünscht würde.
Eine kleine Anekdote am Rande: Alle Telekommunikationsunternehmen des Landes wurden, unter Berufung auf die geltenden Notstandsgesetze, gezwungen Propaganda für das Mubarak-Regime via SMS zu betreiben. Es gab Unternehmen, die sich deswegen beschwerten, dennoch erreichte die Nachrichten ihre Empfänger. Aber man hat ja protestiert….
Am 4. Februar blieb es friedlich. Er stand unter dem Motto „Tag des Abschieds“. Die Opposition hatte zu einer großen Versammlung auf dem Tahirplatz gerufen. Hier kam es zu einer Verbrüderung der beiden großen Glaubensgemeinschaften Muslime und Christen, außerdem wurde ein Schulterschluß mit dem Militär vollzogen, welches die Versammlung auch mit Panzern und Straßensperren schützte.
Nun folgten politische Rückzugsgefechte von Seiten der Mubarakregierung. Posten wurden verschoben, doch alles was geschah, konnte die Demonstranten nicht zufrieden stellen. Auch wenn die Proteste insgesamt etwas abflauten, gab es noch immer Gruppen, die den Tahir-Platz besetzt hielten, da sie sich und ihre Interessen bisher nicht vertreten sahen.
Mubarak tritt zurück
Nachdem Mubarak zugesagt hatte, die Verfassung zu überarbeiten, den Ausnahmezustand aufzuheben und somit freie Wahlen zu ermöglichen, was die Hauptforderungen der Demonstranten waren, übergab er einen Teil seiner Amtsgeschäfte an Omar Suleiman. Er hatte jedoch vor, bis zum Ende seiner Amtszeit im Amt zu bleiben.
Nach landesweiten Demonstrationen, an denen mehr als 1 Million Menschen teilnahmen, davon allein in Kairo mindestens 100.000 erfolgte dann am Abend die Sensation.
Omar Suleiman trat vor die Fernsehkameras und verkündete fast beiläufig den Rücktritt Mubaraks. Im ganzen Land kam es zu großen Volksfesten. Die Macht wurde dem Militär übergeben, nachdem es im Vorfeld Änderungen an der Verfassung und freie Wahlen zugesagt hat.
Während die Menschen in Ägypten feierten, meldeten sich erste kritische Stimmen, dass Ägypten nicht in Richtung Demokratie, sondern auf das Kriegsrecht zusteuere. Was auch nicht ganz von der Hand zu weisen ist, da das Militär eigentlich auch im Vorfeld schon viele Bereiche kontrollierte. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt…
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