Okt

25

2011

Ist Libyen nach dem Tod Gaddafis frei?

Abgelegt in Libyen

Neue Gräueltaten in Libyen

Muammar al-Gaddafi ist tot. Die Umstände seines Sterbens in Sirte sind immer noch unklar. Ist er hingerichtet worden? Offensichtlich ist er jedenfalls ein Opfer des Revolutionsmobs geworden – unter den Augen der Nato, des BND und anderer Organisationen. Die Frage nach der Rechtmäßigkeit bei all den Gräueltaten des früheren Machthabers Libyens ist schon angebracht. Das Ziel aller Operationen in Libyen war das Ende von Gewalt- und Schreckensherrschaft. Doch genau damit startet das neue, das freie Libyen. Anhänger des früheren Revolutionsführers wurden in den letzten Tagen in und um Sirte gefesselt hingerichtet.

Gaddafi soll in der libyischen Wüste beigesetzt werden

Drei Tage nach der Hinrichtung Gaddafis erklärt der libyische Übergangsrat Libyen für frei. Nun beginnen die Herausforderungen. Alle unterschiedlichen Gruppen im Übergangsrat waren sich lediglich in der Beseitigung Gaddafis und seiner Macht einig. Dieses Ziel ist erreicht. Es gibt keine Übereinstimmung in der Neuausrichtung des Landes. Die Scharia soll geltendes Recht werden. Westliche Diplomaten sind über diese Entwicklung und den starken Einfluss islamistischer Gruppen überrascht. Ebenso überrascht waren sie über den Beginn des arabischen Frühlings. Um konkret zu werden: Der Westen versagt! Hinreichend beschäftigt mit eigenen Problemen sind EU und USA nicht in der Lage den Weg der Demokratisierung in Libyen zu begleiten.

Europa und Gaddafi

Überhaupt ist das Verhalten der Europäer in der Causa Libyen höchst zweifelhaft. 1969 kam Gaddafi an die Macht. Knapp 42 Jahre regierte er das Erdöl-Land Libyen. Ohne westliche Hilfe und Unterstützung? Mitnichten! In den letzten Jahren gaben sich die europäischen Regierungschefs nahezu die Türklinke in die Hand. Noch 2010 besiegelte z.B. die französische Regierung eine Partnerschaft mit Libyen in Atom- und Militärfragen. Das Weltwirtschaftsforum von Davos ernannte Gaddafis Sohn Saif al-Islam 2006 zum „Young Global Leader“. Unvergessen auch die Eskapaden Gaddafis 2009 in Rom! Und 2008 erklärten mehr als 200 afrikanische Herrscher Muammar al-Gaddafi zum König der Könige.

Vergessen all die Unterstützung des internationalen Terrors durch das Regime Gaddafis. Vergessen der Anschlag auf die Discothek „La Belle“ 1986. Als Gaddafi 2003 erklärte, er stelle die Entwicklung von Massenvernichtungsmitteln ein und schwöre dem Terror ab, da war er plötzlich ein guter Diktator und Despot. Im Jahre 2011 konnten sich die Europäer allerdings nicht schnell genug von Gaddafi und seinem Regime absetzen…

Erdölförderung in Libyen nimmt wieder Fahrt auf

Gaddafi ist tot. Einige seiner Söhne auch. Heute soll er an einem unbekannten Ort in der Wüste bestattet werden. Seine Familie ist auf der Flucht. Anhänger Gaddafis werden Opfer von Massakern. Verständlich. Wut, Trauer und Verletzung brauchen ein Ventil. Aber, es ist nicht zu rechtfertigen. Und der Westen mischt schon wieder kräftig mit. Das Unternehmen Wintershall (eine Tochter der BASF) fördert seit wenigen Tagen wieder mehr als 100.000 Barrel Erdöl täglich.

Libyen war und ist für den Westen wichtig. Zum einen gibt es dort die größten Ölreserven Afrikas (41 Milliarden Barrel). Zum anderen verhinderte Libyen einen ungehinderten afrikanischen Flüchtlingsstrom nach Europa. Libyen ist ein reiches Land. Auch hat es keine Auslandsschulden. Es bleibt abzuwarten, wie die neuen politischen Kräfte Libyens den europäischen Schlingerkurs bewerten.


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