Nov

20

2011

Gaddafis Lieblingssohn in Libyen vehaftet

Abgelegt in Libyen

Saif al-Islam in Libyen in Haft
Die Bilder gingen in den letzten Monaten seiner Flucht immer wieder um die Welt: der als gewandt und weltoffen bekannte Sohn von Muammar al-Gaddafi präsentierte sich Ende August kurz nach der Eroberung Tripolis durch die Rebellen vor einem Hotel und verkündete mit kahl rasiertem Schädel krude Durchhalteparolen. Danach verschwand er von der Bildfläche. Mehrfach wurde er schon für getötet erklärt – zuletzt anlässlich der Erschießung seines Vaters Muammar al-Gaddafi. Es wurde immer wieder vermutet, dass er sich wie sein Vater in Sirte versteckt hielt.

Gaddafis Lieblingssohn wurde auf der Flucht nach Niger mit zwei Vertrauten verhaftet. Ein Video der Übergangsregierung zeigt ihn lebend in Decken gehüllt, schutzlos wie ein Kind in einem Reisebett. Er ist offenbar leicht verletzt.

Streit zwischen Libyen und Internationaler Gerichtshof entbrannt
Die Libyer feiern die Verhaftung des zweitältesten Sohnes von Gaddafi. Aber, schon werden Fragen nach der Gerichtsbarkeit laut. Der libysche Regierungschef Abdulrahim Al-Kib teilte mit, dass Saif al-Islam in Libyen einen fairen Prozess nach den Regeln des Islam gegen Kriegsverbrecher erwarten könne. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag erwartet aber dessen Auslieferung, da er mit einem internationalen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht wurde.

Letztlich geht es um die Frage, ob Libyens Übergangsregierung wirklich in der Lage ist, einen fairen Prozess zu garantieren. Es geht um einen Neuanfang in Libyen und um die Überwindung der Menschenrechtsverletzungen des Vorgängerregimes. In Libyen könnte Saif al-Islam die Todesstrafe erwarten; in Den Haag höchstens lebenslange Freiheitsstrafe. Menschenrechtsgruppen verlangen daher schon die Auslieferung.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich das Neue Libyen aus den Fängen von Hass und Rache befreien kann.

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