Jan

25

2012

Syrien wird zum Schauplatz eines Machtkampfes in der Arabischen Liga

Abgelegt in Allgemein

Unversöhnlich stehen sich offensichtlich verschiedene Blöcke gegenüber. Gerade die stärksten Protagonisten für eine Veränderung in Syrien (aber auch in anderen arabischen Staaten) zementieren in ihren eigenen Ländern ihre Macht eben im Schatten weltweiter Aufmerksamkeit für Syrien geräuschlos. Das beste Beispiel ist das Emirat Katar. Während dort immer noch nicht die Arabische Charta der Menschenrechte ratifiziert ist, wird vom Emir Katars sogar eine militärische Intervention in Syrien ins Gespräch gebracht.

Nur zehn arabische Staaten haben die Charta der Menschenrechte ratifiziert

Fairerweise darf der Wert der Ratifizierung in anderen Staaten der Arabischen Liga nicht überbewertet werden: Zehn Staaten haben ratifiziert, u. a. Syrien. Aber, eine Umsetzung ist in den seltensten Fällen feststellbar. Wesentliche Punkte der Charta sind eben die Gleichstellung von Mann und Frau, Rechte der Kinder, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz von Minderheiten etc. Letztlich enthält die Arabische Charta der Menschenrechte all die Punkte für die Menschen in Tunesien, Libyen, Ägypten, Jemen, Bahrain und Syrien rebelliert haben und weiter demonstrieren.

Die Arabische Liga mit ihren 22 Mitgliedern ist in vielfacher Hinsicht eine Gemeinschaft konkurrierender Staaten. Auf der einen Seite finden sich eine große Zahl amerikanischer Verbündeter – mit Saudi-Arabien an der Spitze. Aber, auch Katar – mit dem Sitz des Hauptquartiers der US-Truppen im Nahen Osten – oder auch das selbst von Demonstrationen geprägte Bahrain mit seinem großen US-Luft- und Flottenstützpunkt gehören dazu. Auf der anderen Seite insbesondere das in der Arabischen Liga suspendierte Syrien, der Iran und der Jemen. Deren Verbindung zu Russland sind mehr als nur augenfällig.

Problem der USA

Gerade Ägypten war für die USA immer ein wichtiger Partner. Daher wurde auch lange Hosni Mubarak gestützt. Die Verbindung auf militärischer Ebene besteht immer noch. Dies erfordert von den Amerikanern in der momentanen politischen Lage Ägyptens, aber nicht nur dort, einen großen Spagat: Auf der einen Seite sind sie fest mit den Militärs, gerade auch aus wirtschaftlichen Gründen, verbunden, andererseits haben politische Kräfte, die dem Islam nahestehen (wie die Muslimbrüder), nun die demokratische Macht.

Religiöse Unterschiede erschweren die Zusammenarbeit

Gerade die islamische Ausrichtung unterscheidet sich jedoch in den Ländern der arabischen Welt sehr. Die religiöse Dimension der Konflikte in der Region ist nicht zu unterschätzen. Sunniten, Schiiten, Salafisten, Wahhabismus – sie alle sind sich nicht gerade in besonderer Zuneigung verbunden.

Während der sunnitische Islam in Ägypten in den vergangenen Jahrzehnten meist sehr fortschrittlich ausgelegt wurde, finden wir in Saudi-Arabien eine sehr dogmatische und konservative Handhabung des Islam durch die sunnitischen Wahhabiten. Diese unterdrücken und verbieten in ihrem Land den schiitischen Islam, der sehr stark wiederum im Iran und Irak ausgeprägt ist.

Neben den großen politischen Fragen in der arabischen Welt geht es eben auch um militärische Macht und Überlegenheit. Und um die Vorherrschaft im islamischen Glauben.

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