Sep

15

2011

Verlauf der Revolution in Ägypten

Abgelegt in Ägypten

Am 25. Januar 2011 begannen in Kairo Massenproteste, die sich vom Obersten Gericht bis zum Parlament fortsetzten. Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstranten vor. In Suez wurde scharf und mit Gummigeschossen auf Demonstranten geschossen. Hier gab es auch die ersten Todesopfer zu beklagen.

Drei Tage später am Freitag dem 28. Januar kam es zu einer totalen Eskalation der gesamten Lage. Um weitere Proteste zu verhindern, hatte die Regierung die traditionellen Freitagsgebete verboten, dennoch kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten. Die Regierung verhängte daraufhin eine nächtliche Ausgangssperre, an die sich aber nur die wenigsten Protestanten hielten.

Die Parteizentrale der regierenden Partei in Ägypten wurde angezündet. Vom Staatsfernsehen wurden Randalierer dafür verantwortlich gemacht, doch gerüchtweise können dies auch Regierungsanhänger getan haben. Man erinnere sich an den Reichtagsbrand zu Zeiten Hitlers…
Ebenso kam es zu Plünderungen, unter anderem auch im Ägyptischen Museum, aus dem Exponate von Tut Anch Amun gestohlen wurden. Laut einer Sprecherin des Museums von den eigenen Wachleuten, die das Chaos dafür ausnutzten.

Angeblich, um weitere Plünderungen zu verhindern, rückte am Abend das Militär in Kairo ein. Allerdings hatten sich schon lange vor Eintreffen des Militärs Demonstranten schützend vor das Museum gestellt. Mit der Militärpräsenz sollte außerdem ein Zeichen an das Ausland gesendet werden, sich nicht von außen einzumischen.

In dieser Nacht kam es bisher auch zu den schwersten Zusammenstößen von Militär und Demonstranten. Allein in Kairo sollen 35 Menschen ums Leben gekommen sein. Landesweit gab es viele hundert Tote und tausende Verletzte. Ausgelöst wurden die gewaltsamen Auseinandersetzungen durch eine Fernsehansprache Mubaraks, in der er das Vorgehen der Sicherheitskräfte rechtfertigte und einen Rücktritt kategorisch ausschloß. Es ist schon merkwürdig, wie sich die Wertigkeiten der Forderungen innerhalb weniger Tage änderten.

Standen am Anfang noch Verbesserungen der allgemeinen Lebensqualität im Vordergrund, so ging es ab jetzt nur noch um den Rücktritt Mubaraks. Könnte es sein, dass sich fremde Kräfte in die Führungsspitzen der Regimegegner eingeschlichen haben und nun den berechtigten Zorn des Volkes für ihre Zwecke missbrauchten? Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass so etwas geschieht.
Dass die Entwicklungen nicht ganz natürlich sind, sieht man auch daran, dass in sehr kurzer Zeit Revolutionen in allen Ländern der arabischen Welt ausbrachen.

Nun folgten zwei absolut chaotische Tage in Ägypten. In den Straßen herrschte praktisch Anarchie. Es gab keine funktionierende staatliche Gewalt mehr, außer dem Militär, welches sich aber zum Glück weitestgehend zurückhielt.

Wurde in den ersten Tagen der Revolution noch scharf oder mit Gummigeschossen auf die Demonstranten geschossen, so beschränkte man sich jetzt auf Drohgebärden. So wurde der Tahir-Platz in geringer Höhe von F-16 Kampfjets überflogen oder es wurden große russische Militärhubschrauber vom Typ Mil-Mi 8 eingesetzt, die angeblich zur Beobachtung über dem Platz kreisten. Doch, wer je eines dieser Ungetüme aus nächster Nähe gesehen und den Downwash der Rotorblätter beim Überflug gespürt hat weiß, wie beeindruckend und bedrohlich eine solche Geste wirkt.

Weiterhin kam es zu Übergriffen auf Parteizentralen der Regierungspartei Ägyptens und auf Polizeiwachen und andere staatliche Stellen. Einige Gruppen der ägyptischen Bevölkerung nutzten das Chaos, um zu plündern. Um dies zu verhindern, bildeten die Demonstranten teils bewaffnete Gruppen, was wiederum vom Regime ausgeschlachtet wurde und als Beweis für die Legitimität der Militäreinsätze genommen wurde. Zum Glück hielt sich das Militär weitestgehend zurück.

Fast zeitgleich wurde die Sendefrequenz des Fernsehsenders Al Dschasira abgeschaltet und diesem die Lizenz entzogen. Proteste des Senders wegen Zensur blieben ohne Ergebnis. Interessant zu wissen ist, dass China im gleichen Rahmen seine Internet- und Medienzensur verschärfte, um ein Übergreifen der Proteste zu verhindern.

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